Gestaltung des Übergangs zwischen Kindergarten und Grundschule

Bevor Kinder in die Grundschule kommen, haben sie bereits vielfältige Lernerfahrungen in ihrer häuslichen Umgebung und im Kindergarten gemacht. Der Schulanfang stellt demnach keine „Stunde Null“ dar. Auf den vorschulischen Erfahrungen baut das schulische Lernen auf. Allen Beteiligten ist bewusst, wie entscheidend ein gelungener Schulstart für die Kinder ist. Viele Untersuchungen belegen, dass die ersten Lernergebnisse im Anfangsunterricht maßgeblich mit darüber entscheiden, welche Einstellungen zum Lernen und zur Schule die Kinder entwickeln. Daher ist es uns ein großes Anliegen, alle zukünftigen Lernanfänger für ihren Start in der Schule möglichst gut vorzubereiten.
In den vergangenen Jahren konnten LehrerInnen an der Crengeldanzschule beobachten, dass vielen Kindern häufig wichtige basale Kompetenzen und Fähigkeiten fehlen, die für einen erfolgreichen Schulstart entscheidend sind. Hier setzen unser Angebot und unser Konzept an.
In Zusammenarbeit und Absprache mit den drei benachbarten Kindergärten möchte
die Schule die im Kindergarten stattfindende wertvolle Arbeit mit einem Förderangebot erweitern, das die Kinder gezielt auf den Schulanfang vorbereiten soll. Dabei ist es uns wichtig, eine „Verschulung“ des Kindergartens zu vermeiden und stattdessen ein ganzheitliches, spielerisches Angebot zu entwickeln.
Die beteiligten Eltern sollen ebenfalls „mit ins Boot“ genommen werden. An einem
gemeinsamen Elternabend werden wir sie über unser Vorhaben informieren und versuchen, sie mit Anregungen und Gesprächsangeboten zur intensiven Mitarbeit zu bewegen.

Zur Organisation
Die ersten organisatorischen Absprachen sehen vor, das die zukünftigen Lernanfänger
mit ihren Erzieherinnen möglichst 1x in der Woche in die Schule gehen. Die Zeit
bis zu den Herbstferien betrachten wir als Eingewöhnungszeit, in der zunächst die Lehrerin in den Kindergarten kommt. So können sich Kinder und LehrerInnen erst einmal kennen lernen und vertraut miteinander werden.
. Interessierten Eltern soll in dieser Zeit im Rahmen eines Elterncafes die Möglichkeit zum Austausch untereinander und zu fachlicher Beratung durch die Schulsozialarbeiterin Frau Becker angeboten werden. Auf diese Weise können auch die Eltern die Schule kennen lernen.
Damit die Kinder auf vielfältige Weise mit unserem Schulleben vertraut werden,sind sieeingeladen sich auch an den Hofpausen zu beteiligen. Die Teilnahme an Festen und
Feiern, schulischen Projektwochen, Sportangeboten am Nachmittag u.ä. könnten langfristig hinzukommen.

Zum Inhalt
Denken und Lernen geschieht nicht nur im Kopf. Um lernen zu können, müssen zunächst einmal Informationen zum Gehirn gelangen. Die Sinnesorgane unseres Körpers „füttern“ das Gehirn mit Informationen aus unserer Umgebung. Diese Sinnesreize werden anschließend im Gehirn verarbeitet und gespeichert.
Das Zusammenspiel aller Sinne und deren Teilleistungsfähigkeiten bildet die Basis für planvolles und sinnvolles Handeln bzw. Lernen.
Wir können im Wesentlichen drei Wahrnehmungsbereiche unterscheiden:
Die auditive, visuelle und kinästhetische Wahrnehmung.
Wenn ein Kind in der Schule lernen will, muss es in der Lage sein, über diese Wahrnehmungskanäle Informationen aufzunehmen. Gerade diese grundlegenden Voraussetzungen bringen heute viele Kinder nicht mehr selbstverständlich mit wenn sie eingeschult werden. Verantwortlich dafür sind vor allem das veränderte Lebensumfeld, sowie veränderte Spiel- und Freizeitgewohnheiten in den Familien.
Kindern fehlt es an häufigen und vielfältigen Erfahrungen im Wahrnehmungs- und Bewegungsbereich. Die Folge ist, dass die Wahrnehmungskanäle den gestellten Anforderungen nur eingeschränkt oder gar nicht mehr genügen. Die Folgen, die diese Defizite für das Lernen haben, kann man in der schulischen Arbeit täglich beobachten. Z.B fällt es den Schülern auffallend schwer, zuzuhören. Es ist der auditive Wahrnehmungskanal, der den Kindern immer weniger zur Verfügung steht.
Er ist entweder überlastet, dann schalten die Kinder „automatisch“ ab, oder er ist schlecht ausgebildet. Das überrascht uns nicht, denn in den Familien wird immer weniger kommuniziert und musiziert, es wird weniger vorgelesen und beim Fernsehen steht das Sehen im Vordergrund.
Gerade im sprachlichen Bereich erleben wir täglich, dass das Lebensalter der Kinder oftmals nicht mit ihrem Sprachentwicklungsalter gleichgesetzt werden kann.
Z.B. ist ihr Wortschatz eingeschränkt, sie sprechen oft nicht in vollständigen Sätzen oder grammatisch falsch. Viele Kinder können ähnlich klingende Laute ( a/o/u , e/ i, b/p, g/k , m/n, pf/f ) akustisch nicht unterscheiden.
Der Lese-Schreib-Lehrgang ist ein zentraler Bestandteil des Unterrichts im ersten Schuljahr und er setzt eine Vielzahl von Teilleistungsfähigkeiten bei den Kindern voraus: Hand-Auge-Koordination, auditive und visuelle Differenzierungsfähigkeit, das Beherrschen beider Bewegungsrichtungen, phonologische Bewusstheit u.v.m.. Damit der Schulstart bei allen Kindern gelingt und wir von Beginn an allen positive Lernerfahrungen ermöglichen, soll die Förderung dieser Basiskompetenzen den ersten Schwerpunkt unseres Förderkonzeptes bilden. Hier wollen wir unsere ersten Projekt - Erfahrungen sammeln, um sie nach einigen Monaten zu evaluieren.
Dass Fühlen, Wahrnehmen, Sprechen und Denken eng miteinander verknüpft sind, wollen wir bei unserer Arbeit mit den zukünftigen Lernanfängern besonders im Auge behalten. Wir wollen uns auch nicht nur an den „Defiziten“ orientieren, sondern bemühen uns darum, die Entwicklungsmöglichkeiten und die Persönlichkeiten der Kinder zu berücksichtigen. 
Teilleistungen, die „Werkzeuge“ zum Lernen, als Förderschwerpunkt
Nachfolgend sollen beispielhaft einige Teilleistungen und deren Bezug zu den schulischen Anforderungen aufgezeigt werden. Alle Teilleistungsfähigkeiten bilden die Basis, auf der erfolgreiches Lernen gelingen kann. Hat ein Kind im Anfangsunterricht Probleme, so sind diese zumeist auf das Fehlen bestimmter Teilleistungen zurück zu führen.
Es erscheint uns deshalb sinnvoll, gezielt solche „Lernwerkzeuge“ mit den zukünftigen Schulanfängern zu erarbeiten und zu festigen, die ihnen besonders im Anfangsunterricht zur Verfügung stehen sollten.
Die Figur-Grund-Wahrnehmung/ Figur-Grund-Differenzierung
Ohne eine ausreichend ausgebildete F-G-W ist die Wahrnehmung auf allen Kanälen (kinästhetisch, akustisch, visuell) regelrecht „getrübt“ und ohne deutliche Konturen.
Kinder, die hier ein Problem haben ermüden sehr schnell, weil sie allein dafür, überhaupt etwas wahrzunehmen, sehr viel Energie aufbringen müssen.
Die Figur-Grund-Wahrnehmung wird beispielsweise benötigt, um
- die eigenen Muskeln zu spüren und zu unterscheiden , Oberflächenstrukturen
zu ertasten ( kinästhetisch)
- um reale Gegenstände auf einer Unterlage/ einem Hintergrund zu erfassen,
auf einem Blatt Papier Figuren/Buchstaben/Bildelemente zu erkennen (visuell)
- auch bei Hintergrundgeräuschen einer Geschichte zu folgen
Eine gute Figur-Grund-Wahrnehmung ist die Voraussetzung dafür, dass sich eine selektive Aufmerksamkeit entwickeln kann
Die Selektive Aufmerksamkeit
Ein Kind, das diese Teilleistung nicht gut entwickeln konnte, kann seine Aufmerksamkeit nicht gezielt steuern. Ihm fällt es sehr schwer, sich zu konzentrieren.
Nun entwickelt sich aber gerade die Selektive Aufmerksamkeit in der kindlichen Entwicklung zuerst auf der Körperebene und zwar in der gezielten Wahrnehmung bestimmter Körperzustände. Aufgrund mangelnder Bewegungserfahrungen haben manche Kinder einen zu geringen Muskeltonus. Bei ihnen treten beanspruchte Muskeln also nicht genügend in den Vordergrund. Eine zu geringe selektive Aufmerksamkeit zeigt sich dann zunächst auf der Körperebene. Die Ausbildung im Bereich der auditiven sowie in der visuellen Wahrnehmung wird dadurch sehr problematisch.
Die Selektive Aufmerksamkeit wird beispielsweise benötigt, um
- angespannte Muskelketten wahrzunehmen, aus einem Tastsack bestimmte
Formen heraus zu suchen (kinästhetisch)
- auf einem Bild vorgegebene Details zu erkennen (visuell)
- Signalwörter in einem Text zu finden, Silben und Wortteile heraus zu hören,
Laute zu isolieren (auditiv)

Die Wahrnehmungskonstanz
Diese Teilleistungsfähigkeit baut ebenfalls auf der Figur-Grund-Wahrnehmung auf.
Die Wahrnehmungskonstanz macht es möglich, Dinge, Zeichen, Formen etc. wieder zu erkennen.
Mit ihrer Hilfe können die Kinder beim Rechnen z.B. gleiche Mengen, gleiche Ziffern oder gleiche Formen wahrnehmen.
Ein wesentlicher Schritt beim Schreiben- und Lesenlernen ist die Zuordnung von Buchstaben und den dazugehörigen Lauten. Damit es den Kindern gelingt, gleiche Buchstaben (visuell) und gleiche Laute (auditiv) beim Lesen und Schreiben immer wieder als Gleiches zu erkennen, muss ihre Wahrnehmungskonstanz gut ausgebildet sein.
Die Wahrnehmungskonstanz wird weiterhin benötigt, um
- -in einem Fühlsack z.B. runde/eckige...Körper, gleiche Ziffern oder
Buchstaben aus Holz zu erfühlen (kinästhetisch)
- gleiche geschriebene Ziffern / Buchstaben/Silben/Wörter wieder zu erkennen
(visuell)
- gleiche Geräusche, Laute, gesprochene Silben, Wörter wieder zu erkennen,
Reimen (auditiv) 

 Die Differenzierungsfähigkeit
Erst wenn das Gleiche von den Kindern sicher erkannt wird, ist es ihnen möglich, auch Unterschiede zu erkennen. Viele Buchstaben unserer Schrift haben eine ähnliche Form und es gibt in unserer Sprache Laute, die sehr ähnlich klingen. Für eine korrekte Sprechweise und für die Rechtschreibung ist es sehr wichtig, die z.T. nur feinen Unterschiede genau wahrzunehmen.
Die Differenzierungsfähigkeit ist zudem eine Voraussetzung für weitere Teilleistungen wie das Klassifizieren, bei dem Dinge/Begriffe... einem Oberbegriff zugeordnet werden müssen.
Die Differenzierungsfähigkeit wird ebenso benötigt, um - in einem Fühlsack ähnliche Gegenstände zu unterscheiden, gefühlte Oberflächenstrukturen zu unterscheiden (kinästhetisch)
- ähnliche Wörter zu unterscheiden. Unterschiede zwischen laut/leise, hoch/tief/
lang/kurz wahr zu nehmen (auditiv)
- Unterschiede zwischen ähnlich geschriebenen Buchstaben (b/d, P/F,p/q...)
zu erkennen, Wortbilder immer wieder zu erkennen (visuell) 

 Die Hand-Augen-Koordination
Wie alle anderen Teilleistungsfähigkeiten entwickelt sich auch die Hand-Auge- Koordination der Kinder zunächst auf der Körperebene und zwar von dem Zeitpunkt an, an dem sie bewusst nach einem Gegenstand greifen. Im Laufe der kindlichen Entwicklung sollte diese Teilleistung durch vielfältige Spielformen gefördert werden.
Bausteine aufeinander setzen, Perlen auffädeln, Mikado, Brettspiele, Murmelspiele, Geschicklichkeitsspiele und alle Ballspiele mit und ohne Schläger sind dazu bestens geeignet. Erst wenn sich die H-A-K in der Dreidimensionalität gut entwickelt hat, kann sie für das Schreibenlernen in der Zweidimensionalität trainiert werden.
Gerade diese Teilleistung ist aber auch für den Aufbau des Mengenbegriffs von entscheidender Bedeutung: das Greifen eines Gegenstandes muss mit einer
Bewegung gekoppelt sein. Nur so kann eine genaue Information zur Menge eins
gespeichert werden.
Die Hand-Augen-Koordination ist ebenfalls wichtig, um
- ein gut lesbares Schriftbild zu entwickeln
- in Zeilen zu schreiben
- Punkte zu verbinden, Linien zu zeichnen, geometrische Formen und Figuren
zu zeichnen
- für die schriftlichen Rechenverfahren die Zahlen richtig untereinander zu
schreiben
Mit einer gut ausgebildeten H-A-K ist der Schreibvorgang flüssig und strengt die Kinder nicht so sehr an. So können sie sich intensiver auf den Inhalt konzentrieren.
Der visuelle Bereich
Nicht nur im Anfangsunterricht müssen die Kinder in der Lage sein, über ihre Augen viele Informationen aufzunehmen.
Viele Lernprozesse fordern immer wieder das Fixieren oder die Augenfolgebewegungen. Erst wenn die Augen auf einem Bild, einem Symbol o.ä. ruhen, kann der gesamte Informationsgehalt aufgenommen werden. Flüssiges Lesen ist nur mit einer kontinuierlichen Augenfolgebewegung möglich.
Eine ungehinderte Wahrnehmung über die Augen ist notwendig, um
- Buchstaben zu erfassen und zu schreiben
- von der Tafel abzuschreiben
- beim Lesen in der Zeile zu bleiben
- beim Lesen keine Wörter auszulassen
- alle Buchstaben eines Wortes zu erfassen

Der Rhythmus
Wenn Kinder in der Lage sind, einen Rhythmus zu klatschen, sich rhythmisch zu bewegen und zu sprechen, dient ihnen dies beispielsweise beim Schreiben, um in einem rhythmischen Schreibfluss zu schreiben oder Wörter in Silben zu zerlegen und so das richtige Schreiben zu unterstützen beim Lesen, um Reime zu sprechen und um Gedichte aufzusagen beim Rechnen dazu, beim Abzählen die Bewegung und das Sprechen auf einander abzustimmen 

 Die Schwungrichtungen
Wir beobachten häufig, dass Kinder Buchstaben und Ziffern verkehrt herum schreiben und dass sie die vorgegebenen Bewegungsabläufe beim Schreibenlernen nicht beachten (können). Dies ist in der Regel darauf zurück zu führen, dass die Schwungrichtungen im und gegen den Uhrzeigersinn auf der Körperebene nicht sicher beherrscht werden. Selten können Kinder heute diese Fähigkeit „en passent“ erlernen, indem sie Wolle wickeln, Teller abtrocknen, eine Kaffeemühle drehen oder ähnliches tun. Beim Schwingen eines Seilchens in beide Schwungrichtungen, mal mit der rechten, mal mit der linken Hand wird sichtbar, wie weit diese Teilleistung entwickelt ist.
Sie ist gerade im Anfangsunterricht besonders wichtig, um
- gleichmäßig und gut lesbar zu schreiben
- einen guten Schreibfluss zu entwickeln,
- damit die Konzentration auf den Inhalt des Geschriebenen zu ermöglichen
- mit einem gleichmäßigen Schriftbild das Lesen zu erleichtern

Die Phonologische Bewusstheit
Diese Teilleistung ist wohl eine der entscheidendsten Voraussetzungen für den Schriftspracherwerb.
Sie entwickelt sich über das Unterscheiden von lauten/leisen, hohen/tiefen, langen/kurzen Tönen, über das Erkennen und Nachsprechen von Reimen hin zum Wiedererkennen von einzelnen Wörtern in Geschichten und zum Zerlegen eines Satzes in seine Wortbestandteile. Im Vordergrund steht also die sprachliche Struktur, nicht der Inhalt.
Das Zerlegen eines Wortes in seine Laute und das Bestimmen einer Lautposition sind eine wichtige Voraussetzung für das Lesen und Schreiben, denn nur so kann die Laut-Buchstaben-Zuordnung gelingen.

Nähere Informationen zu dem Thema erhalten Sie ebenfalls unter:

  www.crengeldanzschule.de/cms/pages/schulprojekte/leichter-lernen-von-anfang-an.php